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Vom Kuhstall zum Dorfladen – Erfolgsprojekt

Nominierung zum Staatspreis 2024 Land.Dorf.Zukunft: Zedtwitz - Stärkung der Grund- und Nahversorgung

Der ehemalige Kuhstall während der Sanierung.
Der ehemalige Kuhstall während der Sanierung.
© Stefan Rompza
Ausgangslage
Der gesamte Ortskern von Zedtwitz wurde im Rahmen der Dorferneuerung von 2004 bis 2016 neugestaltet. Dinge des täglichen Bedarfs konnten die 900  Einwohner seit Jahren nur im benachbarten Feilitzsch oder in der Stadt Hof erwerben. Bereits 2016 trat die Gemeinde mit dem Amt für Ländliche Entwick lung Oberfranken in Kontakt, weil nach einer Möglichkeit gesucht wurde, ein Nahversorgungszentrum nach Zedtwitz zurückzubringen. Die Entscheidungsträger nahmen dafür diverse Leerstände im Ort unter die Lupe. Oberste Priorität hatte die im Entwicklungskonzept der Dorferneuerung festgeschriebene  Wiederbelebung des Ortskerns.  Eine Bürgerbefragung im April 2018, die Mithilfe der Firma New Way aus Berg ausgewertet wurde, ergab, dass sich die Bevölkerung wünschen würde, Back- und Metzgerwaren sowie regionale Produkte in Zedtwitz fußläufig einkaufen  zu können. Junge und ältere Bewohnerinnen und Bewohner äußerten zudem  den Wunsch nach einem Dorftreff.  Mit dem leerstehenden landwirtschaftlichen Anwesen in der Hofer Straße 27  wurde 2019 die passende Immobilie gefunden. Der Gebäudekomplex war als  zur Straße geschlossener, klassischer Dreiseithof mit rückgestellter Scheune  gegliedert. Das Haupthaus mit Wohnungen, Wirtschafts- und Lagerräumen  war traufseitig an die Straße gestellt. Über einen erdgeschossigen Gewölbedurchgang im Wohngebäude erfolgte der Hauptzugang zum Anwesen. Der Stalltrakt erstreckte sich an der südlichen Grundstücksgrenze mit Verbindung  über die ehemalige Milchkammer des Wohnhauses. Nordöstlich wurde der  Dreiseithof durch ein zweigeschossiges Lager- und Vorratsgebäude sowie  Garagen abgegrenzt.

Sanierung
Im Februar 2019 präsentierte die Firma New Way die Machbarkeitsstudie für  einen Dorfladen im Dreiseithof der Zedtwitzer Bürgerschaft, an der sich auch  die Teilnehmergemeinschaft Feilitzsch beteiligt hatte. Nach großem Zuspruch  der Bevölkerung stellte die Gemeinde Feilitzsch für den Umbau des Anwesens einen Förderantrag im Rahmen der Förderoffensive Nordostbayern beim  Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken. Mit dem Förderbescheid vom 28.  August 2020 konnte die Ausführung der Maßnahme im März 2021 beginnen.  Der Laden im ehemaligen Kuhstall inmitten des sanierten Kreuzgewölbes bildet inzwischen das Herzstück des Dreiseithofes. In diesem markanten Teil  des Gebäudes finden die Theken und Regale mit den frischen Waren und  Produkten ihren Platz. Das einsturzgefährdete Nebengebäude wurde rückgebaut, der Ersatzbau bietet Platz für die Ladennebenräume. Im straßenseitigen Teil der Anlage ist das zeitgemäß gestaltete Tagescafé eingezogen, es  wurde zur Dorfseite hin erweitert. In Eigenregie und ohne Förderung baute die  Kommune über dem Café drei Wohnungen für junge Zedtwitzer Bürgerinnen  und Bürger aus. Die Sanierung der sogenannten Tenne zur zukünftigen Nutzung als vermietbare Räumlichkeiten runden das Konzept ab.  In den Nebengebäuden fand eine überörtlich genutzte Saftpresse ihren Platz.  Der Saft stammt aus Äpfeln der heimischen Streuobstwiesen. Die Sanierungsarbeiten wurden mit größtmöglicher Rücksicht auf die Erhaltung der historischen Substanz durchgeführt. Holzbalkendecken wurden ertüchtigt, Dachstühle, wo möglich, saniert. Die Eindeckung des Gebäudekomplexes erfolgte  mit Naturschiefer in altdeutscher Deckart. Im Außenbereich wurde ein Brunnen freigelegt und restauriert. Die Nutzung des Bestehenden und die behutsame Renovierung sorgen dafür,  dass sich die Bevölkerung mit dem neu geschaffenen Treffpunkt mitten im  Ort identifiziert. Der Umbau und die Erweiterung tragen das Haus und die  Dorfgemeinschaft in die Zukunft. Das Projekt stärkt den sozialen Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft

Nutzung
Der Arbeitskreis Dorfladen, der sich aus der Bürgerschaft Zedtwitzs gegründet  hatte, begleitete das Bauprojekt von Anfang an. Während der Bauphase trieb  der Dorfladenausschuss auch die Pläne zur Gründung einer Firma, die den  Laden und das Tagescafé betreiben soll, voran. Nach Abwägung aller Argumente entschied man sich für die Rechtsform der Unternehmergesellschaft  mit Beteiligung von stillen Gesellschaftern. Am 03. Oktober 2021 kamen 200  Bürgerinnen und Bürger zu einem – coronabestimmungskonformen - „Tag der  offenen Baustelle“, um sich über den Baufortschritt und die Gründung der UG zu informieren. Mit dem an diesem Tag durchgeführten Namenswettbewerb  erfolgte am 21.März 2022 die Gründung der ZEDTkauf UG (haftungsbeschränkt). Bis zum 01. Dezember 2023 konnte die UG 108 stille  Gesellschafter mit einer Gesamteinlage von 64.200 € gewinnen.  Am 16. Oktober 2022 feierten die Zedtwitzer mit einem großen Fest die Einweihung „ihres“ ZEDTkaufs. Die Verantwortlichen legen Wert darauf, wenn  möglich Produkte von regionalen Erzeugern und Produzenten zu verkaufen.  So trägt der Dorfladen nicht nur zur Sicherung der Daseinsvorsorge, sondern  auch zur nachhaltigen regionalen Wertschöpfung bei.

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