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Unterstützung für die Anker des Dorflebens

Wie in Missen auch Kleinstunternehmer von der Dorferneuerung profitieren

Unterstützung für die Anker des Dorflebens
Im denkmalgeschützten ehemaligen Benefiziatenhaus in Missen hat Franziska Rust den Traum vom eigenen Café verwirklicht. Im Obergeschoss wohnt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern.
© Franziska Rust
Missen-Wilhams. Seit gut drei Jahren läuft in der Gemeinde Missen-Wilhams eine Dorferneuerung, die auch darauf abzielt, örtliche Kleinstunternehmen zu fördern und die Grundversorgung im Dorf so langfristig zu sichern. Mit Erfolg: Der heimische Bäckermeister Manfred Walk baute eine moderne Produktionsstätte in der Ortsmitte und Franziska Rust ließ ein altes, denkmalgeschütztes Gebäude wieder aufleben, in dem sie darin ihren Traum vom eigenen Café verwirklichte.

Das ehemalige Benefiziatenhaus ist ein geschindelter Blockbau aus dem 19. Jahrhundert, dessen Erdgeschoss lange von der Pfarrei genutzt worden war, ehe das Gebäude Ende 2019 zum Verkauf stand. Franziska Rust, die zwei Häuser weiter aufwuchs, hat eine persönliche Beziehung zu dem unter Denkmalschutz stehenden und ortsbildprägenden Gebäude: Bereits als Baby besuchte sie hier die Krabbelgruppe und später die Proben des Kinderchors. Inzwischen ist Rust, die Ernährung und Versorgungsmanagement studiert hat, selbst zweifache Mutter und wohnt mit ihrer Familie im Obergeschoss des mittlerweile ausgebauten und sanierten Hauses. Im Erdgeschoss hat sie im Juni das Café „Handvollgrün“ eröffnet, das gegenwärtig jeden Sonntag und auf Anfrage zu bestimmten Anlässen öffnet. Längerfristig will die junge Missenerin, die auch einen Cateringservice betreibt, das Angebot ausbauen. Doch mit zwei kleinen Kindern ist sie aktuell natürlich vor allem als Mama gefragt.
Von einer Fördermöglichkeit durch das Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben erfuhr Rust bei einer Gemeinderatssitzung. Sie nahm Kontakt zur Behörde auf und wurde von Bauoberrat Manuel Weigele vor Ort beraten. Mit ihrem neuen Café in einem alten denkmalgeschützten Gebäude erfüllte sie sowohl die Kriterien für eine Förderung als Kleinstunternehmerin, als auch für den Erhalt eines kulturhistorischen und ortsbildprägenden Gebäudes. „Auch private Maßnahmen stärken die Innenentwicklung von Dörfern“, betont Weigele, der auch Bäckermeister Manfred Walk über Fördermöglichkeiten als Kleinstunternehmer der Grundversorgung beriet.

Walk wohnt schon 24 Jahre lang in Missen, produzierte und verkaufte seine Backwaren allerdings in Weitnau, wo es ihm nicht möglich war, seine in die Jahre gekommene Backstube auszubauen und zu modernisieren. In seinem Heimatort Missen stand die einzige Bäckerei aus gesundheitlichen Gründen vor der Schließung und Walk entschied sich, dort neu zu bauen. Eine geeignete Fläche fand er im Ortskern, wo er in einem regionaltypisch errichteten Gebäude seine Produktionsstätte, eine Bäckerei samt Café und im Obergeschoss Wohnungen schuf. Die Filiale in Weitnau blieb erhalten, so dass die Grundversorgung mit Backwaren in beiden Orten langfristig gesichert ist.

12 Angestellte beschäftigt Walk beim „Dorfbeck“ in Missen, das Ladenpersonal besteht aus Damen vom Ort und einer Auszubildenden. In den drei Wohnungen über der Bäckerei wohnen ein Bäckergeselle, eine Fachverkäuferin und eine junge Familie. Von der Fördermöglichkeit erfuhr der 56-Jährige durch einen Bäckermeisterkollegen und den früheren Bürgermeister Hans-Ulrich von Laer. Dessen Nachfolgerin Martina Wilhelm freut sich sehr über Walks Mut, im eher fortgeschrittenen Unternehmeralter noch einmal neu zu bauen. „Aus Sicht der Gemeinde war das die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit“, denn aufgrund der bevorstehenden Schließung der früheren Bäckerei am Ort drohte eine große Lücke in der Nahversorgung aufzureißen. Das Café des Dorfbeck hat sich laut Wilhelm zu einem sehr beliebten Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt, was den Zusammenhalt und die generationenübergreifende Kommunikation im Ort stärkt – ein Ziel jeder Dorferneuerung. Auch das Café Handvollgrün „bereichert den Ort sehr und bringt Leben ins Dorf“, so die Bürgermeisterin, die dankbar ist über die Förderung der beiden örtlichen Unternehmer.

Als Konkurrenten betrachten sich Franziska Rust und Manfred Walk übrigens nicht – im Gegenteil. Zum einen hat Walks Bäckereicafé von Montag bis Samstagmittag und Rust gegenwärtig nur sonntags geöffnet, zum anderen sind beide der Meinung, dass Missen zwei Cafés verträgt. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis“, sagt Franziska Rust, die vor ihrer Eröffnung das Gespräch mit Manfred Walk gesucht hatte. Der Bäckermeister bekräftigte sie sogar noch in ihrem Vorhaben, denn wie er sagt: „Mich freut’s, wenn ein junger Mensch was anpackt.“
Mit ihrem Engagement stellen die beiden engagierten Unternehmer nicht nur sicher, dass die Menschen in Missen nichts vermissen, sondern dass sie sogar neue Treffpunkte und Anlaufstellen im Ort gewinnen. Aktuell bauen noch mehrere Privatleute in Missen mit Unterstützung des Amtes für Ländliche Entwicklung Schwaben ihre Gebäude aus. Und was die gemeindlichen Aktivitäten in Sachen Dorferneuerung angeht, so läuft derzeit die Ausschreibung zur Objektplanung für die Umgestaltung des Dorfplatzes.

Andreas Langer, Dr.-Rothermel-Str. 12, 86381 Krumbach (Schwaben),
Tel. 08282 92-213, poststelle@ale-schw.bayern.de, www.landentwicklung.bayern.de
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